Daggerheart Deluxe Pegasus

Daggerheart auf Deutsch (Rezension)

Daggerheart erschien jüngst bei Pegasus Spiele auf Deutsch. Ein erster Blick, ein erster Eindruck und eine Menge positive Verblüffung.

Pegasus Spiele, einer meiner Lieblingsverlage, weil dort der grosse Cthulhu zu Hause ist, veröffentlichte diesen Sommer die deutschsprachige Ausgabe von Daggerheart als Grundregelwerk und als Deluxe-Ausgabe. Ich habe vorab schon einmal die deutsche Version als PDF bekommen. Jetzt kam auch noch die «Daggerheart Deluxe Box» bei mir an und… was soll ich sagen? Sie ist wirklich sehr «deluxe».

Pegasus Spiele Daggerheart Deluxe Box
Image by Pegasus Spiele

Die Kiste wiegt rund 4,5 Kilogramm. So eine Box habe ich noch keine. Ja, die Box ist auch satte 124,95 Euro wert, aber «Die Masken des Nyarlathotep» waren auch über 100 Euro und für «Warhammer The Enemy Within» habe ich für die ganze Sammlung, inklusive Companions, ca. 375 Euro ausgegeben. Und das PDF?! Das PDF ist 426 MB gross! Ich spielte früher PC-Spiele, die so viel Speicher brauchten.

Unboxing Daggerheart Deluxe

Die schwere Box, im orange-violetten Daggerheart-Look, wird mit Magneten zugehalten. Drin springt einen als erstes ein Block mit Charakterblättern an. Dahinter folgt ein dicker Spielleiterschirm mit drei Elementen, gefolgt vom Regelwerk-Klopper mit 366 Seiten.

Daggerheart Deluxe Box Pegasus SPiele
Image by Pegasus Spiele

In der Box ist unten eine Schublade drin. Eine SCHUBLADE! Das muss man erst einmal machen. Da drin sind die Kartendecks, ein kleines Säckchen mit echt «nicen» Würfeln und ein grosses Säckchen mit einer Phantastillion Plastikkristallen in vielen Farben.

Die schwarze Abtrennung, die all diese Dinge fässt, ist zwar aus Plastik, macht aber auf Samt. Sehr hübsch. Die Würfel sind extra gross und extra spitz. Wer nachts barfuss auf diesen W4 tritt, macht einen sicheren Besuch im Krankenhaus.

Daggerheart Coverart
Image by Darrington Press

Bonus-Malus

Ich schreibe hier nur, was mit mir geschah, als ich Daggerheart zum ersten Mal einatmete. Was in mir passierte. Gedanken, Gefühlsregungen, Widerstände, Glückshormone. Wie die Regeln funktionieren, kannst du dir woanders besser erklären lassen. Was von welchem Rollenspiel «zusammengestohlen», ähem, «inspiriert» wurde, kann man überall sonst nachlesen. Side note: Beim Borgen von Regelmechaniken trat Daggerheart die Flucht nach vorne an und listet sogleich auf, woher die Mechaniken stammen. Hier kommt allerdings meine Liste mit aus der Hüfte geschossenen Gedanken zu Daggerheart:

  • Was beim Durchblättern sofort auffällt, ist, dass hier Leute mit richtig Ahnung von Rollenspiel und mit dem nötigen Kleingeld ans Werk gingen.
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  • Zu viele Tiercharaktere für meinen Geschmack. Ein ganzer Zoo: Kätzchen, Äffchen, Fröschen, Schildkröten. Süss! Etwas disney-esk. Dafür ein Gefühl von Leichtigkeit und Übersichtlichkeit. Vorbildlich.
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  • Und Entschuldigung, aber die Goblins sehen scheisse aus. Die passen besser zu Guardians of the Galaxy als in ein Fantasy-Setting. (Siehe unten in der Galerie.)
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  • Daggerheart ist ein Feelgood-Rollenspiel. Mehr noch als D&D 5.5, was auch immer daraus geworden ist.
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  • Alle Hautfarben sind vorhanden, ein Rollstuhlfahrer ist auch dabei… Sehr korrekt und sehr divers. Das Gendern hat man mit Sternchen gelöst. Zyklopen, Brillen, viel Rosa und Violett. Ich würde es eher als Märchenwelt, denn als gefährliche Mittelalterwelt definieren. Ach, jetzt weiss ich es! Es kommt mir ein wenig vor, wie Fortnite im Fantasy-Gewand.
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  • Ich bin gerade eher auf der Low-Fantasy-mehr-Dreck-Seite, aber Daggerheart macht alles richtig. Nein, sogar mehr als das. Es ist nahezu perfekt in Design und Ausführung. Dafür ein gigantisches Kompliment.
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  • Bei den Monsterseiten hätte ich mir noch mehr und vor allem grössere Illustrationen gewünscht, aber das hätte wohl das ohnehin schon fast 370 Seiten umfassende Werk gesprengt. Toll, dass sie nicht, nach D&D-Manier, zwei oder gar drei Bücher daraus gemacht haben.
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  • Was mich wirklich umhaut, sind die Kampagnenrahmen. Sie sind mehr als Szenarien und weniger als Kampagnen. Sie regen die Fantasie an, stellen die richtigen Fragen, geben einen Eindruck, bieten wirklich genug Bildmaterial und Beschreibung, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was es für ein paar tolle Rollenspielsitzungen braucht. Schlank und übersichtlich aufbereitet, es macht Spass das zu lesen.
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  • Ich verstehe immer noch nicht, weshalb Critical Role sich nicht für Daggerheart entschieden hat. Ich meine, ausser, dass Brennan Mulligan D&D Zeit seines Lebens auswendig kann und von Daggerheart wohl noch wenig Ahnung hat. Geld sei, nach eigener Aussage, zumindest nicht der Grund gewesen. Hätten sie Daggerheart mit der üblichen Achterrunde gespielt, ich hätte es wohl sogar geschaut. Doch das gehört in einen anderen Blogpost.
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  • Als grosses Alleinstellungsmerkmal werden immer und überall die Hoffnungs- und Angstpunkte hervorgehoben. Ja, das ist irgendwie neu. Und doch, das gabs irgendwie auch vorher schon. Cool ist, dass die Spielleitung die einen und die Spielenden die anderen Punkte zum Einsetzen bekommen. Ansonsten bin ich ja bekanntlich kein Fan von Meta-Currencies und Markern und Karten und zu viel Tamtam.
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  • Die Ergebnisse von Würfelwürfen sind bei Daggerheart breiter gefächert, feiner abgestuft. Es gibt nicht einfach «hat geklappt» oder «hat nicht geklappt», die/der GM hat Interpretationsspielraum. Das ist gut, aber auch wieder etwas wischiwaschi.
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  • Daggerheart möchte Geschichten erzeugen, die sich eher wie eine Fantasy-Serie oder ein Ensemble-Film anfühlen. Beziehungen zwischen Figuren, persönliche Ziele und dramatische Wendungen stehen stärker im Vordergrund als die Frage, ob man die optimale Kampfposition gefunden hat. Ich empfinde Daggerheart, verglichen mit dem grossen Bruder D&D, als weniger taktisch, mehr geschichten-fokussiert.
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  • Es fühlt sich für mich ein bisschen wie ein ständiges «Wild beyond the Witchlight» an, aktuell mag ich aber lieber «A Knight of the Seven Kingdom», wenn du verstehst, was ich meine.

Fazit

Daggerheart ist mehr Drama, weniger Simulation. Es ist mehr Kino, weniger Strategiespiel. Pegasus Spiele hat gute Arbeit geleistet bei der Übersetzung. Doch das grösste Plus ist, dass Daggerheart so logisch, vollständig und eingängig daherkommt, wie ein Rollenspiel das tun sollte. Das ist grosse Meisterklasse. Wer nicht weiss, was ich meine, lese doch den Artikel zu Candela Obscura, das wie Daggerheart auch aus dem Hause Darrington Press kommt, aber als Negativbeispiel dient.

Daggerheart ist ein geschliffenes, top designtes, modernes Rollenspiel, das viele Leute begeistern muss. Ja, wirklich: muss! Daggerheart trifft mitten ins Herz und tut das, was es tun will geradezu perfekt. Ich muss sagen, ich bin beeindruckt.

Ich möchte erfahren, wenn es neue Artikel gibt!

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