Ägypten ist ein Angelpunkt der Kampagne. Die Schleusen gehen auf, Puzzleteile kommen zusammen, Pharaonen haben ihren Cameo-Moment.
Wir sind nun warmgespielt. Irgendwie ist alles in die richtige Lücke gerutscht, wenn man das so beschreiben kann. Die Spielenden sind jetzt voll im Cthulhu-Mood und ich habe langsam auch den Dreh raus. Es fühlt sich gut an.
Da stehen wir
Ein Monster-Tipp für alle SLs, die sich das Ding antun… Am Ende jeder Session sagen euch die Spielenden, wo ihre Investis nächstes Mal hinwollen. So musst du nur ein bis drei Schauplätze vorbereiten und nicht zehn. Abklappern können sie nämlich eh nur einige wenige. Das macht es für alle entspannter und immersiver, weil besser vorbereitet.
Ausserdem habe ich das Ding doch pulpiger gemacht. Nicht durch die Cthulhu-Pulp-Regeln, aber durch mehr Magie, mehr Power, mehr Equipment und Erfolgserlebnisse. Im Gegenzug haben die Spielenden nun echt das Spielgefühl von Cthulhu gefunden, was zu vielen positiven Ereignissen führt.
- Mehr Investigation
- Mehr nützliche Hinweise
- Schnelleres Vorankommen
- Grössere Harmonie
Ägypten ist bei uns die Mitte der Kampagne und passt nach griechischer Dramaturgie auch perfekt. Der Höhepunkt in der Mitte. Hier lösen sich viele Fragezeichen in Ausrufezeichen auf, ohne schon alles zu verraten. Ein befriedigendes Gefühl für Spielende und Spielleitung.
Das Ägyptengefühl
Abgesehen davon bietet Ägypten das authentischste Cthulhu-Gefühl. Für mich ist Cthulhu am ehesten im ewigen Eis, im Dschungel und in der Wüste daheim. Am wohlsten fühlen Nyarlathotep und ich uns bei Jahrtausende alten Stätten untergegangener Zivilisationen. Die sind so schon geheimnisvoll genug. Wenn dann noch Ungereimtheiten auftauchen… Da beginnt der Horror.
Eigentlich bedient sich Indiana Jones genau desselben Mechanismus’. Wertvolle, mysteriöse Artefakte vergangener Zivilisationen und dann noch einen obendrauf. Nazis für Pulp und Magie für Cthulhu. Fehlen nur ein paar Monster und Götter.
In Kairo gibt es Hitze, Gerüche, Gewürze, rauhe Menschen, liebliche Menschen, Palmen, Kutschen, Esel, Kamele, Datteln, Bauchtanz, Sand, Feuer und Temperament. Was es sonst noch gibt, darf ich leider nicht verraten.

Mittendrin statt nur dabei
Zum ersten Mal in der Kampagne sind die Investigatoren dorthin gegangen, wo der Bär tanzt, haben die wesentlichen Elemente hautnah miterlebt und ganz schön viel Schrecken bezeugt.
Das Ägypten-Kapitel wird von manchen als Essenz der Kampagne angesehen, andere behaupten, es sei nur für den Geschmack und könnte notfalls sogar weggelassen werden.
Fürs Rollenspiel sind die ruhigen Passagen bei Cthulhu zuträglicher. Da hat man Zeit, in seinen Charakter zu kommen, ein bisschen rumzuwühlen und zu sein. Als Spielleiter mag ich aber besonders die WTF-Momente von Cthulhu. Wenn es kosmisch, überdimensional und nicht zu begreifen wird, dann lacht mein Rollenspielherz. Wie beim Höhepunkt von «Schreckensherrschaft». Einfach unvergesslich.

A Long Road
Die Kampagne braucht 20 bis 30 Sessions à drei bis vier Stunden, heisst es. Das wären dann maximal 120 Stunden. So wie The Witcher 3. Wir sind nun bei Session 30 und spielen meistens rund drei Stunden, manchmal auch nur zwei. Sagen wir, wir haben bereits 85 Stunden gespielt. Könnte gut sein, dass es doppelt so viele werden. Ich mag grosse Kampagnen muss ich nach dieser Erfahrung wirklich sagen. One-shots haben auch ihren Reiz. Knall-Bumm-Ende. Aber die Erinnerungen und Erfahrungen, die sich über Monate und Jahre erstrecken, sind durch nichts zu ersetzen.
Fazit
Ägypten würde ich auf keinen Fall weglassen. Weil es so typisch Cthulhu ist. Weil es so viel Flavour hat. Weil es von allem etwas hat und weil es einen wichtigen Teil der Nyarlathotep-Erfahrung in sich trägt. Denn das Ziel ist nicht nur die Lösung des Falles, sondern auch der erlebnisreiche Weg dorthin.
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